Bd. I · Heft 03 · Mai 2026
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TV · 12 min

Samsung, LG, Sony und die zweite Reihe — die UHD-Hersteller-Welt 2026

Ein Rundgang durch die Geräte-Landschaft des Frühjahrs 2026 — vom 30-Prozent-QLED-Imperium Samsungs über LGs OLED-Konstante seit 2013 bis zum Aufstieg von Hisense und TCL in den 85- und 97-Zoll-Klassen.

Die globale Hersteller-Landschaft der UHD-Fernseher lasse sich im Frühjahr 2026 grob in drei Bänder zerlegen: das japanisch-koreanische Premium-Kartell um Sony, LG und Samsung; die etablierte europäisch-japanische Zwischenklasse um Panasonic, Philips und Loewe; und die chinesischen Aufsteiger Hisense und TCL, die seit 2022 mit aggressiven Preisen und überraschend ausgereifter Mini-LED-Technik den Mittelbau aufgemischt hätten. Wer den Markt verstehen will, müsse alle drei Bänder zusammen denken — und sich vor Augen halten, dass die scheinbar saubere Trennung von Marke und Panel-Lieferant längst nicht mehr halte.

Samsung Visual Display: 30 Prozent und das QLED-Erbe

Samsung Electronics, Geschäftsbereich Visual Display, halte laut Omdia-Daten vom vierten Quartal 2025 einen weltweiten Marktanteil von rund 30,1 % bei Fernsehern jenseits der 1.500-US-Dollar-Schwelle. Das ist eine Position, die das Unternehmen seit 2006 ununterbrochen verteidige.

Das Premium-Lineup des Modelljahrs 2026 sortiere sich vertikal in drei Reihen:

  • S95F (QD-OLED, 55/65/77 Zoll, seit März 2026 im Handel): Phase-4-Panel von Samsung Display, Spitzenhelligkeit über 3.800 cd/m² gemessen, One-Connect-Box, NQ8-AI-Gen3-Prozessor.
  • QN95F (Neo QLED, Mini-LED, 55/65/75/85/98 Zoll): Quantum-Matrix-Pro-Technologie mit über 4.000 lokalen Dimming-Zonen in der 98-Zoll-Variante.
  • QN900F (8K Neo QLED, 65/75/85 Zoll): die einzige verbliebene 8K-Linie im Samsung-Lineup, nachdem die QN800-Serie 2025 eingestellt wurde.

Strategisch interessant sei das fast vollständige Verschwinden von 8K aus der Mittelklasse. Samsung habe — und das gestehen auch Insider:innen aus dem Suwon-Hauptquartier ein — die 8K-Story 2022 zu früh gespielt. Der ausbleibende native Content (Demo-Reels und gelegentliche YouTube-Premieren ausgenommen) habe die Linie nicht halten können.

LG Electronics: OLED seit 2013, und das Selbstbewusstsein hält

LG habe im Juni 2013 mit dem 55EA9800 das erste großserien­fähige OLED-Modell auf den Markt gebracht. Dreizehn Jahre später sei das Unternehmen das einzige Mainstream-Marken­haus, dessen Premium-Linie vollständig auf OLED beruhe. Die G6- (Gallery-Design, 55/65/77/83/97 Zoll) und C6-Serien (Standard-Design, 42/48/55/65/77/83 Zoll) decken seit März 2026 das Programm ab.

Der 97-Zoll-G6 sei ein technisches Statement, kein Volumenprodukt — UVP von 24.999 Euro, monatliche Stückzahlen in Europa im niedrigen dreistelligen Bereich. Der eigentliche Brot- und Butter-Verkäufer bleibe der 65-Zoll-C6 zwischen 2.299 und 2.499 Euro.

LGs OLED-Linie ist eine Konstante. Sie verändere sich, aber sie kippe nicht.

Bemerkenswert sei der α11-Gen-2-Prozessor, der seit dem Modelljahr 2025 die Bildanalyse szenenweise vornimmt. Tester:innen von HDTVTest und FlatpanelsHD hätten in mehreren Vergleichen dokumentiert, dass das Tone-Mapping in der C-Serie inzwischen näher an der G-Serie liege als noch 2023.

Sony Bravia: die Bildqualität-Vermessung

Sony Visual Products, mit weltweit etwa 9 % Marktanteil im Premium-Segment, bediene 2026 eine duale Panel-Strategie: QD-OLED (Bravia 9, A95M-Serie, 55/65/77 Zoll) und Mini-LED-LCD (Bravia 8, 55/65/75/85 Zoll). Die LG-WOLED-Linie (A80L) sei mit dem Modelljahr 2025 ausgelaufen — eine Entscheidung, die Sony Insider als Konsolidierung auf die zwei Bildstärken Helligkeit und Farbvolumen begründen.

Was Sony seit Jahrzehnten von den koreanischen Mitbewerbern unterscheide, sei die Bewegungs­darstellung. Die XR-Motion-Clarity-Verarbeitung mit Black-Frame-Insertion bei 120 Hz sei in der Reviewer-Welt ein wiederkehrendes Lob — und in der Anti-Soap-Opera-Effekt-Justierung über die Cinemotion-Optionen ein praktischer Vorteil für Heimkino-Anwender:innen.

Die 8K-Linie der Bravia X95L wurde Ende 2024 ohne Nachfolger eingestellt. Sony habe damit, leiser als Samsung, dieselbe strategische Entscheidung getroffen.

Panasonic: das Heimkino-Bekenntnis

Panasonic habe 2024 die geplante Rückkehr in den US-Markt vollzogen — nach acht Jahren Abwesenheit — und die Z95A-Serie als Speerspitze positioniert. Die europäische Z-Serie 2026 (Z95B, 55/65/77 Zoll) nutze ein WOLED-Panel mit MLA-Gen-2 und einen HCX-Pro-AI-Prozessor, der seit 2024 mit Filmmaker-Mode-Plus arbeite — einer Erweiterung des UHD-Alliance-Standards, die zusätzliche Umgebungslicht-Anpassung berücksichtige.

Panasonic bediene in Europa die Heimkino-Nische mit einer Disziplin, die im Massenmarkt verloren gegangen sei: Out-of-the-Box-Kalibrierung auf D65 mit Delta-E-Werten unter 2,0, dokumentiert von Calman-Tester:innen über mehrere Modelljahre hinweg.

Philips: Ambilight und die Beleuchtungsfrage

Philips, in Europa über TP Vision (Mehrheits­eigner Hisense seit 2021), bleibt der einzige Hersteller, der eine echte Differenzierungs­technologie jenseits des Panels anbiete: Ambilight, das seit 2004 zum Marken­kern gehört und 2026 in der vierten Generation als Ambilight Plus mit gridbasierter LED-Anordnung um den Rahmen herum laufe.

Die 2026er OLED-Linie OLED+989 (55/65/77 Zoll) nutze WOLED MLA Gen 2 und einen P5-AI-Dual-Engine-Prozessor. Bowers-&-Wilkins-Sound, eingebaut, sei seit 2018 die zweite Differenzierungs­achse — Stereodynamik aus dem Gehäuse, mit der Samsung und LG seit Jahren nicht mithalten.

Hisense und TCL: die chinesische Welle

Hisense und TCL — zwei Konzerne, deren globale Marktanteile zusammen im vierten Quartal 2025 auf 21,8 % gestiegen seien — hätten den Aufstieg primär über Mini-LED-LCD geschafft. Hisense U8-Serie (Mini-LED, 55/65/75/85/100 Zoll) und TCL C9K-Serie (Mini-LED, ähnliche Diagonalen­palette) seien 2025 in nahezu jedem ernsthaften Test­vergleich um die Top-Plätze in der Mittelklasse mitgekämpft.

Hisenses 100-Zoll-Modell zum UVP von 4.999 Euro habe in Deutschland 2025 eine Vorstellung gegeben, die Samsung und LG zur Reaktion gezwungen habe — beide Häuser hätten 2026 erstmals 98- und 100-Zoll-Modelle in der oberen Mittelklasse jenseits der Mini-LED-Spitze platziert.

Was bei Hisense im 75-Zoll-Bereich passiert, hätten Sony und Panasonic in den 1990er Jahren als „aggressives Pricing” beschrieben. Heute heiße es schlicht: Marktrealität.

Service, Garantie und die Frage nach dem Ersatz­teil

Eine Dimension der Hersteller­wahl, die in Tests selten Platz finde, sei die Service-Verfügbarkeit nach dem Kauf. Samsung, LG und Sony unterhalten in Deutschland flächen­deckende Service-Netze; Reparatur-Termine seien typischerweise innerhalb von sieben bis vierzehn Werktagen verfügbar. Panasonic und Philips arbeiten mit etwas gestreckteren Wartezeiten, halten aber die Ersatzteil-Versorgung über mindestens sieben Jahre nach Modell-Einstellung aufrecht.

Die chinesischen Aufsteiger Hisense und TCL haben in den vergangenen Jahren ihre Service-Strukturen in Deutschland deutlich ausgebaut; die typische Reklamations­wahrnehmung sei zwischen 2022 und 2025 von „kritisch” zu „weitgehend marktüblich” gewandert. Loewe-Geräte aus deutscher Fertigung (Kronach) hatten 2019/2020 unter dem ersten Loewe-Insolvenz­verfahren eine kritische Phase; nach der Neuaufstellung 2021 sei die Service-Verfügbarkeit zurück­gekehrt.

Für Käufer:innen mit einer Nutzungs­erwartung von acht bis zwölf Jahren — die typische Erwartung an einen Premium-Fernseher — sei die Service-Frage damit eine Dimension, die in der Tester­presse zu kurz komme, in der Praxis aber den Unterschied zwischen einer einmaligen Reparatur und dem Total­verlust der Investition ausmachen könne.

Die Zoll-Klassen-Verschiebung

Die durchschnittliche Bildschirmdiagonale verkaufter Fernseher in Deutschland habe laut GfK-Daten von 2025 die 55-Zoll-Schwelle überschritten. Die 65-Zoll-Klasse stelle inzwischen das Volumen-Mittelfeld, 75 und 85 Zoll wachsen zweistellig pro Jahr, und 97 bis 100 Zoll seien eine eigene neue Klasse für Wohnzimmer mit entsprechender Wandfläche.

Die Konsequenz für die Hersteller: Panel-Verfügbarkeit in 83, 85, 97 und 100 Zoll werde zum strategischen Faktor. LG Display und Samsung Display planen für 2027 G10.5-Linien-Erweiterungen in Paju und Asan, die die 100-Zoll-OLED-Welt fertigungstechnisch öffnen sollen.

Die Mini-LED-Frage: parallel oder konkurrierend?

Mini-LED-LCD und OLED stehen in der Premium-Klasse 2026 in einem produktiven Wettbewerb, nicht in einer Verdrängungs­dynamik. Mini-LED verwende Hunderte bis Tausende kleiner LEDs als Hintergrund­beleuchtung eines klassischen LC-Panels, mit lokaler Dimmung pro Zone. Die Vorteile gegenüber Edge-Lit-LCD und konventionellem Direct-Lit-LCD sind die deutlich höhere Spitzenhelligkeit (über 4.000 cd/m² bei Top-Modellen) und der reduzierte Halo-Effekt um helle Bildbereiche.

Wo Mini-LED OLED unterlegen sei, bleibe die Schwarzdarstellung: Auch bei mehreren Tausend Dimming-Zonen sei der Übergang von tiefem Schwarz zu hellen Spitzlichtern weiterhin nicht so präzise wie bei OLED-Pixeln, die sich einzeln abschalten lassen. Wo Mini-LED OLED überlegen sei, sei die Spitzen­helligkeit in heller Tagumgebung — ein Argument, das in nordeuropäischen Wohn­räumen mit viel Tageslicht praktisch ins Gewicht falle.

Die strategische Verteilung der Hersteller spiegele die Differenzierung: Samsung halte beide Linien parallel (Neo QLED Mini-LED, QD-OLED). LG biete OLED prominent, hat aber 2024 mit der QNED-Mini-LED-Serie nachgezogen. Sony fahre weiter eine duale Strategie. Panasonic konzentriere sich auf OLED. TCL und Hisense bauen ihren Premium-Anspruch fast ausschließlich auf Mini-LED.

Zweite Reihe: Loewe, Metz, Grundig

Im deutschsprachigen Raum halten Loewe (Kronach), Metz blue (Zirndorf, seit der Skyworth-Übernahme 2017) und Grundig (Türk-Beko-Eigentum seit 2007) eine Nische zwischen Premium und Mittelklasse. Loewe Bild i.77, Metz Lunis 65 OLED und Grundig OLED Vision 8 nutzen sämtlich LG-WOLED-Panels, differenzieren sich aber über Design, Audio-Integration und in einem Fall (Loewe) über die deutsche Service-Verfügbarkeit.

Diese Häuser bedienen kein Massenpublikum, aber sie überleben dank des Heimkino-affinen Segments — und dank einer Klientel, die das Wort „nicht-koreanisch” als Qualitätsversprechen lese.

Die Smart-TV-Betriebs­systeme als zweite Differenzierungs­achse

Die Diskussion über Hersteller drehe sich allzu oft nur um Panel-Qualität und Bildverarbeitung. Tatsächlich entscheide das eingebettete Betriebs­system in vielen Wohn­zimmern darüber, ob die Bedienung als angenehm oder als zermürbend empfunden werde.

  • Samsung Tizen (seit 2015 in Samsung-Smart-TVs): proprietäres Linux-basiertes System, starke Integration der Samsung-eigenen Smart-Home-Plattform SmartThings, eigener Sprach­assistent Bixby plus Alexa-Unterstützung.
  • LG webOS (seit 2014 in LG-Geräten, ursprünglich Palm-Erbe): ebenfalls Linux-basiert, mit der charakteristischen Magic-Remote-Bedienung, ThinQ-AI-Sprach­steuerung.
  • Google TV (Plattform-Konsolidierung aus Android TV, seit 2020): in Sony Bravia, Hisense, TCL und in zahlreichen Mittelklasse-Marken. Vorteil: nahtlose Chromecast-Funktionalität, Google-Assistant.
  • VIDAA (Hisense-Eigenentwicklung, seit 2014): vor allem in Hisense-Modellen, zunehmend auch in Lizenz bei einigen Drittmarken.
  • Titan OS (TP Vision, seit 2024 in Philips-Smart-TVs für ausgewählte Märkte als Google-TV-Alternative): jüngste Neuentwicklung im OS-Feld.

Die strukturelle Spannung sei seit Jahren dieselbe: Hersteller­eigene Systeme erlauben eine konsistente UX, hängen aber von der Entwicklungs­ressource des jeweiligen Hauses ab; Google-TV-basierte Systeme profitieren vom App-Ökosystem, leiden aber an einer Werbe-lastigen Startseite, die in den Modelljahren 2024/2025 in der Tester­presse zunehmend kritisch besprochen wurde.

Was 2026 die Spielregeln verschiebt

Drei Bewegungen prägen den Markt:

  1. Die 100-Zoll-Klasse trete aus der Nische in die Mittelklasse ein. Hisense und TCL hätten den Anfang gemacht; Samsung folgte 2026 mit dem QN95F-98.
  2. 8K-Modelle verschwänden aus dem Mittelfeld und bleiben den 75-und-aufwärts-Konfigurationen vorbehalten.
  3. Die Trennung zwischen Marke und Panel-Lieferant werde noch durchlässiger: Panasonic-Geräte mit Samsung-Display-Panel seien für 2027 in Vorbereitung, was die Karte der Hersteller-Welt ein weiteres Stück verrücken werde.

Wer 2026 einen Fernseher kaufe, kaufe damit auch eine Position innerhalb dieser Verschiebung — ob bewusst oder nicht.


Ressort: TV